Auf der Chillventa 2024 interviewte Sergei Mukminov, Chefredakteur von RefIndustry.com, am Messestand von Danfoss Kristian Strand, President von Danfoss Commercial Compressors und seit dem 1. April 2025 President von Danfoss Climate Solutions. Das Gespräch befasste sich eingehend mit der kürzlich erfolgten Übernahme von Bock-Verdichtern durch Danfoss, der Zukunftsvision des Unternehmens und seinem Engagement für Energieeffizienz und Nachhaltigkeit in der Kältetechnik. Nachfolgend finden Sie das vollständige Interview.
Sergei Mukminov: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für ein Gespräch mit uns nehmen, Kristian. Beginnen wir mit der Übernahme von Bock-Verdichtern. Welche Vision haben Sie nach dieser bedeutenden Erweiterung Ihres Portfolios für Danfoss Commercial Compressors?
Kristian Strand: Vielen Dank, Sergei. Wir freuen uns sehr, die Übernahme von Bock-Verdichtern endlich abgeschlossen zu haben. Darauf haben wir viele Jahre hingearbeitet, und in Lateinamerika arbeiten wir bereits seit mehr als 25 Jahren eng mit Bock zusammen. Die Verdichtertechnologie von Bock war das fehlende Element in unserem Portfolio, und jetzt, da sie zu Danfoss gehört, sehen wir einen klaren Wachstumspfad.
Unsere Vision besteht darin, die globale Reichweite von Bock auszubauen. Bock war schon immer eine starke Marke mit hochwertigen Produkten, hat die globale Expansion jedoch nicht offensiv vorangetrieben. Wir betrachten Bock als ein verborgenes Juwel, und mit der Unterstützung und den Ressourcen von Danfoss können wir diese Marke nun auf ein neues Niveau heben. Wir investieren bereits erheblich in Forschung und Entwicklung (F&E), um die Kompetenzen von Bock weiter auszubauen. Einige der Ergebnisse können Sie in unseren F&E-Einrichtungen und an unseren Produktionslinien sehen. Wir sind überzeugt, dass Bock als Teil der Danfoss-Familie eine vielversprechende Zukunft hat.
Sergei Mukminov: Wie beurteilen Sie die Synergien zwischen Danfoss und Bock? Wie ergänzen sich diese beiden Marken?
Kristian Strand: Das ist eine ausgezeichnete Frage. Danfoss war stets stolz auf sein breites Produktportfolio. Was uns auszeichnet, ist, dass wir nicht nur Verdichter anbieten, sondern komplette Systeme bereitstellen. Im Lebensmitteleinzelhandel liefern wir beispielsweise neben Verdichtern auch elektronische Regelungen, mechanische Regelungen, Wärmeübertrager und vieles mehr. Wir bieten eine Gesamtlösung.
Da Bock nun Teil von Danfoss ist, können wir die Verdichter des Unternehmens in unser größeres Produktökosystem integrieren. Daraus ergibt sich eine natürliche Ergänzung, bei der wir Bock-Verdichter mit anderen Produkten von Danfoss kombinieren, um unseren Kunden umfassende Lösungen anzubieten. Dies ist besonders bei Anwendungen wichtig, die energieeffiziente Systeme erfordern, denn darauf legen wir einen besonderen Schwerpunkt.
Sergei Mukminov: Wird es nach der Eingliederung von Bock in Danfoss eine Änderung des Markenauftritts geben, oder bleibt die Marke Bock in ihrer bisherigen Form bestehen?
Kristian Strand: Das ist eine sehr gute Frage. Obwohl Bock jetzt zu Danfoss gehört, erkennen wir den Wert der Marke Bock an, insbesondere in bestimmten Märkten, in denen sie seit Langem für Qualität steht. Aus diesem Grund werden wir den Namen Bock auf den Verdichtern beibehalten. Der Wiedererkennungswert der Marke ist sehr hoch, und wir möchten dieses Erbe bewahren. Gleichzeitig werden wir auch die Identität von Danfoss einbeziehen, da wir nun alle für dasselbe Unternehmen arbeiten. Sie werden Bock-Verdichter weiterhin in ihrer charakteristischen blauen Farbe sehen, und daran wird sich nichts ändern. Wir respektieren die Tradition, zugleich ist jedoch auch die Integration in die größere Danfoss-Familie wichtig. Der Name Bock bleibt also bestehen, während die Verbindung zu Danfoss im Rahmen unseres breiteren Produktangebots deutlicher sichtbar werden wird.
Sergei Mukminov: Sie haben energieeffiziente Lösungen bereits mehrfach erwähnt. Folgen Sie bei der Nachfrage nach solchen Lösungen den Vorgaben des Marktes, oder treiben Sie den Markt aktiv in Richtung dieser Innovationen?
Kristian Strand: Bei Danfoss sind wir davon überzeugt, dass wir den Markt in Richtung energieeffizienterer und nachhaltigerer Lösungen voranbringen müssen. Energieeffizienz hat für uns weiterhin höchste Priorität, zugleich wissen wir jedoch, wie wichtig es ist, auf die Bedürfnisse der Kunden und die Markttrends zu hören. Wir versuchen, ein Gleichgewicht zwischen dem Angebot dessen, was der Markt verlangt, und der Erweiterung der technologischen Grenzen zu finden.
Wir haben beispielsweise Lösungen mit geringer Füllmenge entwickelt, die die in Systemen benötigte Kältemittelmenge reduzieren und dadurch zur Senkung der Kosten und der Umweltbelastung beitragen. Solche Lösungen fördern wir aktiv, stellen aber gleichzeitig sicher, dass sie den spezifischen Anforderungen der jeweiligen Region und Anwendung entsprechen. Wir sind der Ansicht, dass Energieeffizienz die treibende Kraft sein sollte. Genau hier versuchen wir, den Markt voranzubringen, indem wir Lösungen anbieten, die nicht nur Umweltziele erfüllen, sondern auch die betriebliche Effizienz verbessern.
Sergei Mukminov: Kältemittel sind ein zentrales Thema in der Branche. Welche Kältemittel sind in Ihrem Verdichterportfolio am weitesten verbreitet, und wie geht Danfoss den Übergang zu Kältemitteln mit niedrigem GWP an?
Kristian Strand: Die Wahl der Kältemittel hängt stark vom jeweiligen Markt und von der Anwendung ab. In Europa wird beispielsweise CO2 im Lebensmitteleinzelhandel häufig eingesetzt, während R290 bei Wärmepumpen und Kaltwassersätzen verbreitet ist. In China vollzieht der Markt den Übergang von R410A zu R32, und in den USA beobachten wir eine Umstellung auf R454B.
Unsere Priorität bei Danfoss besteht darin, energieeffiziente Lösungen bereitzustellen, die zugleich umweltfreundlich sind. Wir streben den Einsatz von Kältemitteln mit dem niedrigstmöglichen Treibhauspotenzial (GWP) an und wollen gleichzeitig eine hohe Energieeffizienz gewährleisten. Allerdings eignen sich nicht alle Kältemittel gleichermaßen gut für sämtliche Anwendungen. So ist CO2 in bestimmten Märkten möglicherweise nicht immer die energieeffizienteste Option, weshalb wir diese Faktoren sorgfältig gegeneinander abwägen. Durch die Aufnahme von Bock in unser Portfolio sind wir noch besser aufgestellt, um eine Vielfalt an Kältemitteln anzubieten, darunter natürliche Optionen wie R290 und CO2. So stellen wir sicher, dass wir die Anforderungen verschiedener Märkte und Anwendungen erfüllen.
Sergei Mukminov: Es scheint, als entwickle Danfoss im Bereich der Energieeffizienz kontinuierlich Innovationen. Was treibt diesen Innovationsschwerpunkt an?
Kristian Strand: Innovationen im Bereich der Energieeffizienz bilden den Kern unserer Geschäftsstrategie. Unser Motto lautet „Engineering Tomorrow“, und darin kommt unser Anspruch zum Ausdruck, mit weniger mehr zu erreichen. Wir suchen stets nach Möglichkeiten, die in Systemen eingesetzte Kältemittelmenge mithilfe von Technologien wie Systemen mit geringer Füllmenge zu reduzieren. Diese verringern nicht nur die Umweltbelastung, sondern senken auch die Kosten, insbesondere beim Umgang mit teuren oder brennbaren Kältemitteln.
Darüber hinaus leisten wir Pionierarbeit bei Technologien wie ölfreien Verdichtern, die die Systemeffizienz verbessern. Die Technologie von Bock passt perfekt zu dieser Strategie, da die Verdichter des Unternehmens für maximale Energieeffizienz in einer Vielzahl von Anwendungen ausgelegt sind. Letztlich möchten wir unseren Kunden dabei helfen, ihren Energieverbrauch zu senken und ihren CO2-Fußabdruck zu minimieren.
Sergei Mukminov: Was hält die Zukunft abschließend für das Verdichterprogramm von Danfoss bereit? Ist die Übernahme von Bock das letzte fehlende Element, oder möchten Sie Ihr Angebot weiter ausbauen?
Kristian Strand: Obwohl wir nun über eine starke und vielfältige Verdichterfamilie verfügen, sind wir stets für weitere Erweiterungen offen, wenn sie sinnvoll sind. So haben wir derzeit beispielsweise keine eigenen Schraubenverdichter, sehen für diese jedoch einen starken Markt, insbesondere bei Hochtemperatur-Wärmepumpen und Systemen mit größeren Leistungen. Wir arbeiten mit unserem Partner RefComp zusammen, um diese Lücke zu schließen.
Wir konzentrieren uns weder auf kleinere Verdichter noch auf den Eintritt in Märkte, in denen wir uns nicht als wettbewerbsfähig betrachten. Unser Schwerpunkt liegt auf Bereichen, in denen wir einen echten Mehrwert bieten können und Raum für Innovation und Wachstum besteht. Ja, es gibt also immer Möglichkeiten zur Erweiterung, aber nur in den richtigen Bereichen.
Sergei Mukminov: Vielen Dank, Kristian, dass Sie Ihre Einschätzungen mit uns geteilt haben. Es ist spannend zu sehen, wie Danfoss die Zukunft der Kältetechnik gestaltet. Viel Erfolg bei Ihren Aktivitäten auf der Chillventa!
Kristian Strand: Vielen Dank, Sergei. Es war mir eine Freude, mit Ihnen zu sprechen, und ich bin gespannt, was die Zukunft für uns und die Branche bereithält.








