Am Rande der Natural Refrigerants Conference 2025 in Bukarest trafen wir Adrian Balaoi, CEO von AB Frigo Consult Tehnic (www.ab-frigoconsult.ro) und AB Tehnic Profesional (www.abtehnic.ro) sowie Organisator der Konferenz, und sprachen mit ihm. Sergei Mukminov, Chefredakteur von Refindustry, sprach mit Adrian über die Veranstaltung, die auf der Konferenz vorgestellten Innovationen und seine Einschätzung zur Zukunft natürlicher Kältemittel. Die Konferenz zog rund 150 Fachleute aus der Kältetechnik aus Deutschland, Italien, Dänemark, Rumänien und den Nachbarländern an.
Refindustry: Adrian, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns nehmen. Lassen Sie uns zunächst über Ihre Motivation sprechen. Was hat Sie persönlich dazu inspiriert, die Natural Refrigerants Conference ins Leben zu rufen?
Adrian Balaoi: Vielen Dank, Sergei. Es ist mir immer eine Freude. Mein beruflicher Weg begann vor mehr als 35 Jahren. Ich habe aus erster Hand miterlebt, wie Rumänien nach 1990 von Kälteanlagen auf Ammoniakbasis, die äußerst zuverlässig waren, auf synthetische Kältemittel umstellte. Obwohl synthetische Kältemittel zunächst vielversprechend erschienen, erkannte ich bald ihre Grenzen im Hinblick auf Effizienz, Umweltauswirkungen und regulatorische Instabilität. Meine persönliche Überzeugung von nachhaltigen Lösungen veranlasste mich dazu, die Natural Refrigerants Conference ins Leben zu rufen. Mein Ziel war es stets, Wissen über natürliche Kältemittel zu vermitteln, zu informieren und praktische Kenntnisse auf diesem Gebiet zu fördern, insbesondere über Ammoniak, das meiner festen Überzeugung nach eine Schlüssellösung für die Zukunft der Kältetechnik darstellt.
Refindustry: Die diesjährige Konferenz ist sowohl hinsichtlich ihres Umfangs als auch ihrer Inhalte besonders beeindruckend. Können Sie die wichtigsten Höhepunkte näher erläutern?
Adrian Balaoi: Die diesjährige Konferenz ist wirklich etwas Besonderes und umfasst zahlreiche innovative Präsentationen. Ein bedeutender Höhepunkt ist das neue Kältesystem, das von Refolution, einem deutschen Unternehmen, vorgestellt wurde. Das Unternehmen präsentierte eine hochmoderne Technologie, die Luft als Kältemittel in Kombination mit adiabatischer Kühlung nutzt und insbesondere für Anwendungen bei extrem niedrigen Temperaturen ausgelegt ist. Darüber hinaus präsentierte HB Products seine revolutionären Technologien für die Kältetechnik, darunter einzigartige Qualitätssensoren oder Abtausensoren, die auf dem heutigen Markt ihresgleichen suchen und die Betriebseffizienz sowie die Zuverlässigkeit von Kälteanlagen erheblich steigern.
Refindustry: Wie werden sich natürliche Kältemittel Ihrer Einschätzung nach in den kommenden Jahren entwickeln?
Adrian Balaoi: Natürliche Kältemittel, insbesondere Ammoniak, haben im Vergleich zu synthetischen Kältemitteln, die häufig regulatorischen Beschränkungen und Ausstiegsregelungen unterlagen, eine bemerkenswerte Stabilität und Nachhaltigkeit bewiesen. Ammoniak bleibt für die Industriekälte äußerst effizient und zuverlässig, während Propan trotz seiner Entflammbarkeit in kleineren Anwendungen zunehmend an Beliebtheit gewinnt. Für die Zukunft erwarte ich weiteres Wachstum und weitere Innovationen in diesem Bereich, angetrieben durch ein stärkeres Bewusstsein, verbesserte Technologien und mehr qualifizierte Fachkräfte, die in den Markt eintreten.
Refindustry: Vor welchen wesentlichen Herausforderungen stehen Unternehmen bei der Umstellung auf natürliche Kältemittel?
Adrian Balaoi: Unternehmen sehen sich bei der Einführung natürlicher Kältemittel mit mehreren Hürden konfrontiert, insbesondere mit Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit der Toxizität von Ammoniak und der Entflammbarkeit von Propan. Zudem besteht eine erhebliche Qualifikationslücke: Vielen Unternehmen fehlen Techniker mit der notwendigen Fachkompetenz, um sicher und effektiv mit diesen Kältemitteln umzugehen. Ich habe beispielsweise erlebt, dass sich Unternehmen aufgrund fehlender Fachkräfte anstelle von Ammoniak für einfacher zu handhabende Kältemittel entschieden haben, obwohl Ammoniak eine höhere Effizienz geboten hätte. Eine weitere Herausforderung sind die Anfangsinvestitionen, da Systeme mit natürlichen Kältemitteln häufig höhere Vorlaufkosten verursachen. Um diese Hindernisse zu überwinden, sind umfassende Wissensvermittlung, Schulungsprogramme und technische Vorführungen von entscheidender Bedeutung. Genau dies möchten wir mit Veranstaltungen wie dieser Konferenz anbieten.
Refindustry: Welche Pläne oder Vorstellungen haben Sie für künftige Ausgaben dieser Konferenz?
Adrian Balaoi: Wir möchten die internationale Sichtbarkeit und den Einfluss der Natural Refrigerants Conference erhöhen. Wir arbeiten aktiv daran, Partnerschaften mit führenden internationalen Branchenorganisationen und Verbänden aufzubauen. Künftige Veranstaltungen könnten sich über mehrere Tage erstrecken, zusätzliche parallele Sitzungen umfassen und ein breiteres Spektrum technischer Themen abdecken. Unser Ziel ist es, diese Konferenz als führende Plattform in Osteuropa zu etablieren und den Wissensaustausch sowie die Einführung nachhaltiger Kältemittel kontinuierlich zu unterstützen.
Refindustry: Welche zentrale Botschaft sollen die Teilnehmer abschließend von dieser Veranstaltung mitnehmen?
Adrian Balaoi: Meine wichtigste Botschaft ist eindeutig: Natürliche Kältemittel wie Ammoniak, CO2 und Propan stellen nachhaltige und effiziente langfristige Lösungen dar. Allerdings gibt es kein einzelnes perfektes Kältemittel, das sich für jede Anwendung eignet. Faktoren wie Sicherheit, Effizienz, Wirtschaftlichkeit und die verfügbaren technischen Qualifikationen müssen sorgfältig berücksichtigt werden. Kontinuierliches Lernen und eine enge Zusammenarbeit innerhalb der Branche sind unerlässlich. Ich ermutige alle Teilnehmer, in Bildung zu investieren und sich aktiv am Dialog zu beteiligen, um gemeinsam eine zukunftsfähige Kältebranche aufzubauen.











