Auf der Chillventa 2024 traf sich Sergei Mukminov, Chefredakteur von RefIndustry.com, am Messestand des Unternehmens mit Sylvain Lamy, Marketing-Vizepräsident bei Copeland. In diesem Exklusivinterview sprachen sie über die Transformation von Copeland, den Übergang zu natürlichen Kältemitteln und die strategische Ausrichtung des Unternehmens auf Nachhaltigkeit. Sylvain erläutert, wie sich Copeland durch die Neupositionierung seiner Produkte und als Innovationstreiber in der HVACR-Branche auf eine umweltfreundlichere Zukunft vorbereitet.
Sergei Mukminov (SM): Vielen Dank, dass Sie sich heute die Zeit für ein Gespräch mit uns nehmen, Sylvain. Beginnen wir mit der Transformation und der Neupositionierung der Marke Copeland. Was können Sie uns über diesen Prozess erzählen?
Sylvain Lamy (SL): Danke, Sergei. Die Neupositionierung unserer Marke ist Teil der umfassenderen Transformation, die wir als Unternehmen durchlaufen. Viele unserer Verdichter wurden bereits unter dem Namen Copeland angeboten, und nun führen wir auch weitere umfassende Regelungsportfolios, etwa elektronische Regelungen und Durchflussregelungen, unter demselben Markendach zusammen. Mit dieser Änderung werden unsere integrierten Lösungen nun unter einer einzigen Marke vereint, sodass wir den von uns bedienten Märkten noch besser aufeinander abgestimmte integrierte Angebote bereitstellen können, die unsere Verdichter- und Regelungstechnik miteinander verbinden. Trotz der Neupositionierung werden sich unsere Produkte und unser täglicher Geschäftsbetrieb jedoch nicht ändern. Unsere Kunden können ihre Geschäfte mit Copeland wie gewohnt fortführen, und unser Schwerpunkt liegt weiterhin auf der Unterstützung der Energiewende, dem Schutz von Lebensmitteln und Pharmazeutika sowie der Förderung des Übergangs zu Kältemitteln mit niedrigem GWP und natürlichen Kältemitteln,
SM: Das ist erfreulich zu hören. Apropos Kältemittel mit niedrigerem GWP: Wie passt sich Copeland an den weltweiten Übergang zu natürlichen Kältemitteln an?
SL: Der Übergang zu natürlichen Kältemitteln ist im Gange, und wir investieren intensiv in diesen Bereich. Wir stellen erhebliche F&E-Ressourcen für die Entwicklung von Technologien für CO2, Kohlenwasserstoffe, einschließlich Propan, und Ammoniak bereit. Tatsächlich fließen 95 % der Investitionen von Copeland in die Entwicklung neuer Produkte in natürliche Kältemittel, um diesen Übergang zu unterstützen. Jedes Kältemittel spielt je nach konkreter Anwendung eine Rolle. Propan findet beispielsweise breite Anwendung in Heizsystemen für Wohngebäude, während Ammoniak häufiger in industriellen Anwendungen eingesetzt wird. Uns ist jedoch auch bewusst, dass einige Anwendungen im Bereich der Kühlkette, etwa im Lebensmitteleinzelhandel und in der Gastronomie, einen Mix aus verschiedenen Lösungen erfordern werden, darunter sowohl natürliche Kältemittel als auch Kältemittel mit extrem niedrigem GWP. Jeder Markt beziehungsweise jede Anwendung weist andere Parameter auf, die unterschiedliche Anforderungen an Kältemittel mit sich bringen. In allen Fällen sehen wir jedoch einen Weg, der durch verantwortungsvolle Schritte zu diesem Ziel führt.
SM: Sie haben industrielle Anwendungen erwähnt. Welche Rolle spielt Ammoniak dabei?
SL: Ammoniak ist in industriellen Anwendungen weit verbreitet, beispielsweise in Kühllagern, in der Fernwärme und in Hochtemperatur-Wärmepumpen für industrielle Prozesse. Dies ist ein zentraler Schwerpunkt unserer Einschraubenverdichtertechnologie unter der Marke Vilter. In der Supermarktkälte wird Ammoniak jedoch nicht eingesetzt, weshalb wir uns für diesen Markt auf die Bereitstellung anderer Kältemittellösungen konzentrieren. Wir arbeiten kontinuierlich mit unseren Partnern zusammen, um sicherzustellen, dass wir für jede Anwendung die richtige Lösung liefern, indem wir Technologieoptionen für CO2, Kohlenwasserstoffe oder Kältemittel mit extrem niedrigem GWP bereitstellen. Dies gilt nicht nur für Verdichter und Antriebe, sondern auch für Systemregler, elektronische Regelungen und Durchflussregelungen, die bei gemeinsamer Auslegung innerhalb des Systems eine Leistung erzielen, die über die Summe der einzelnen Komponenten hinausgeht.
SM: Es klingt, als habe sich Copeland der Bereitstellung maßgeschneiderter Lösungen verschrieben. Auf welchen Hauptsäulen beruht die künftige Strategie von Copeland?
SL: Als Copeland konzentrieren wir uns tatsächlich auf drei strategische Bereiche. Erstens widmen wir uns dem Schutz der Kühlkette und stellen sicher, dass Lebensmittel und Pharmazeutika bei den richtigen Temperaturen aufbewahrt werden. An zweiter Stelle steht die Umstellung der Kältemittel, über die wir bereits gesprochen haben. Die dritte Säule ist die Energiewende, insbesondere der Übergang von fossilen Brennstoffen und Gas zu erneuerbaren Energiequellen für Heizung und Kühlung. Dieser Übergang ist in Europa besonders wichtig, wo ein sehr starker Antrieb und Bedarf zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung in Wohn- und Gewerbegebäuden durch Wärmepumpen besteht.
SM: Es ist offensichtlich, dass Copeland bei diesen Übergangsprozessen eine führende Rolle einnimmt. Welche Bedeutung haben Partnerschaften und Marketinginitiativen für die Verwirklichung Ihrer Ziele?
SL: Unsere Partnerschaften sind von entscheidender Bedeutung. Alle Partner der Branche verfolgen ein gemeinsames Ziel, daher ist es unerlässlich, in Europa und für Europa zusammenzuarbeiten. Wir arbeiten eng mit unseren Kunden zusammen, um Lösungen zu entwickeln, die deren Anforderungen erfüllen und die Leistung ihrer Systeme verbessern. Darüber hinaus sind wir offen für neue Marketingmöglichkeiten, die es uns gestatten, diese Innovationen im Markt zu kommunizieren und dadurch den Übergang zu beschleunigen. Plattformen wie RefIndustry.com bieten der HVACR-Branche beispielsweise eine hervorragende Sichtbarkeit, und wir freuen uns darauf, weitere Möglichkeiten für den Austausch mit der Branche zu erschließen.
SM: Vielen Dank für Ihre Zeit, Sylvain.
SL: Vielen Dank, Sergei. Es war mir eine Freude.
Neue Technologien entdecken: Ein Rundgang zu den neuesten Produkten von Copeland auf der Chillventa 2024
Nach einem aufschlussreichen Interview über die Transformation und die Strategien von Copeland erhielt Sergei Mukminov, Chefredakteur von RefIndustry.com, eine exklusive Führung über den Messestand von Copeland auf der Chillventa 2024. Unter der Leitung von Sylvain Lamy, Marketing-Vizepräsident bei Copeland, wurden bei dem Rundgang die neuesten Innovationen des Unternehmens vorgestellt, wobei der Schwerpunkt insbesondere auf CO2- und propanbasierten Systemen lag. Sylvain bot einen detaillierten Einblick in die technischen Aspekte der einzelnen Produkte und hob dabei Flexibilität, Effizienz und die Bedeutung natürlicher Kältemittel hervor.
SL: Zunächst möchte ich Ihnen unsere transkritische CO2-Kälteeinheit zeigen, die für Anwendungen im Normalkühlbereich konzipiert wurde. Dieses System richtet sich hauptsächlich an Einzelhändler und bietet im Vergleich zu zentralisierten Systemen wie Booster-Systemen mehr Flexibilität. Sie können eine, zwei, drei oder sogar vier Einheiten installieren, um den gesamten Kältebedarf eines Geschäfts abzudecken. Zudem haben Sie dadurch große Freiheit bei der Wahl des Aufstellorts. Diese Einheiten sind kompakt und weisen einen sehr niedrigen Schallpegel auf. Werden diese Einheiten in der Nähe der Kühlmöbel installiert, vereinfacht dies nicht nur die Rohrleitungsarchitektur, sondern ermöglicht auch ihren Betrieb mit den tatsächlich von den Kühlmöbeln benötigten Temperatursollwerten. Dadurch eignen sie sich ideal, um Energieeffizienz und den Erhalt der Lebensmittelqualität sicherzustellen. Darüber hinaus bieten wir eine Lösung für Tiefkühlsysteme an, die sich problemlos in dieser dezentralen Architektur installieren lässt.
SM: Das System scheint sehr vielseitig zu sein.
SL: Absolut. Es geht vor allem um Flexibilität. Sie können die Einheiten in einem Keller, Maschinenraum, auf einem Dach oder an der Seite eines Gebäudes installieren. Sie sind für alle Situationen mit räumlichen Einschränkungen ausgelegt, da der Gaskühler getrennt vom Verdichterraum montiert werden kann. Außerdem bieten wir Modularität, sodass Einzelhändler Einheiten für die Tiefkühlung zu Einheiten für die Normalkühlung hinzufügen können. So entsteht ein flexibles und skalierbares System, das sich besonders für Anwendungen in Stadtzentren eignet, in denen der Platz begrenzt ist.
(Sylvain deutet auf eine weitere Einheit.)
Hier sehen Sie das transkritische CO2-Scrollverdichtersystem mit dynamischer Dampfeinspritztechnik, das in den Einheiten zum Einsatz kommt, die wir gerade gesehen haben. Dadurch lässt sich die Effizienz optimieren und die Komplexität des Systems drastisch reduzieren, da das aus dem Flash-Tank kommende Gas während des Verdichtungsprozesses direkt in den Scrollverdichter eingespritzt werden kann. Dadurch entfallen Parallelverdichter und die zugehörigen Frequenzumrichter. Das System wurde so konzipiert, dass es mit einer einzigen einfachen Systemauslegung in allen Klimazonen Europas, vom heißen Süden bis zum kühleren Norden, eine konstant hohe Energieeffizienz bietet.
SM: Wie sieht es mit propanbasierten Lösungen aus? Welche Fortschritte erzielt Copeland in diesem Bereich?
SL: Wir arbeiten inzwischen seit über 10 Jahren mit Propan. Unsere Propan-Scrollverdichter sind derzeit in rund 10.000 Geschäften in ganz Europa installiert. Wir bieten kompakte Scrollverdichterlösungen mit fester Drehzahl für steckerfertige Kühlmöbelanwendungen mit 150 gr sowie Lösungen mit 500 gr und unserem neuesten horizontalen Scrollverdichter mit variabler Drehzahl an. Der Wechsel von mehreren Kreisläufen mit 150 gr in Kühlmöbeln zu einem einzelnen Kreislauf mit 500 gr wurde von uns getestet und führte zu einer zusätzlichen Effizienzsteigerung von 30 %.
Eines unserer führenden Produkte in dieser Kategorie ist außerdem ein drehzahlvariabler Scrollverdichter, der für gewerbliche Wärmepumpen optimiert wurde. Diese Propanlösungen wurden entwickelt, um den wachsenden Bedarf an natürlichen Kältemitteln und hoher Effizienz zu erfüllen. Sie sind mit Leistungen von 30 bis 85 kW erhältlich. Aufgrund ihres großen Einsatzbereichs sind diese Verdichter auch eine ideale Option für Kaltwassersätze oder Kältesysteme.
(Sylvain führt Sergei anschließend zu einem weiteren Ausstellungsstück.)
Dies ist das Modell einer Wärmepumpe, mit dem wir zeigen, wie umfassend unser Angebot für Wärmepumpenhersteller ist, damit sie die Leistung, die Schalleigenschaften und die Gesamtkosten ihrer Wärmepumpen verbessern können. Es umfasst unsere Durchflussregelungen, unseren Outdoor Unit Controller (OUC, der den gesamten Kältemittelkreislauf des Systems regelt) sowie unseren Verdichter und Frequenzumrichter. Es ist mit unserem neuesten geräuscharmen Scrollverdichter ausgestattet, der den Schallpegel um bis zu 10 dBA reduziert. Dies ist für Anwendungen in Wohngebäuden, in denen Geräusche ein wichtiges Thema sind, von entscheidender Bedeutung. Zudem haben wir uns darauf konzentriert, die Effizienz zu verbessern, um für die Nutzer im Vergleich zu herkömmlichen Heizsystemen kürzere Amortisationszeiten sicherzustellen.
SM: Es ist beeindruckend, wie stark hier die Geräuschreduzierung und Effizienz im Mittelpunkt stehen.
SL: Ja, die Schallpegel stellen im Wohnumfeld eine erhebliche Herausforderung dar, insbesondere in dicht besiedelten Gebieten. Wir haben viel Zeit und erhebliche Ressourcen in die Entwicklung von Lösungen investiert, die diese Herausforderungen bewältigen und zugleich eine hohe Energieeffizienz aufrechterhalten. Dies ist derzeit mit großem Abstand der leiseste Verdichter auf dem Markt.
(Sylvain zeigt auf eine weitere Einheit.)
Abschließend möchte ich Ihnen unser ammoniakbasiertes industrielles Wärmepumpensystem zeigen. Diese Einheit eignet sich ideal für Hochtemperaturanwendungen wie Fernwärme oder industrielle Prozesse, die Warmwasser benötigen. Ammoniak ist ein natürliches Kältemittel, und dieses System trägt im Einklang mit den Zielen der EU für 2050 zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung bei.
SM: Copeland scheint mit natürlichen Kältemitteln alle Bereiche abzudecken, von CO2 über Propan bis hin zu Ammoniak.
SL: Genau. Unser Ziel besteht darin, Optionen für alle Anwendungen bereitzustellen, unabhängig davon, ob es sich um gewerbliche Anwendungen, Kältetechnik, die Beheizung von Wohngebäuden oder industrielle Prozesse handelt. Der Übergang zu natürlichen Kältemitteln ist nicht nur ein Trend, sondern eine Notwendigkeit für die Zukunft. Auf der Chillventa präsentieren wir hochmoderne Lösungen, von denen wir überzeugt sind, dass sie die Branche in den kommenden Jahren prägen werden.
SM: Vielen Dank für diesen ausführlichen Rundgang, Sylvain.
SL: Vielen Dank, Sergei. Es war mir eine Freude, Ihnen unsere neuesten Innovationen zu zeigen.









