Von: Ilana Koegelenberg
Patrick Crombez, Deputy General Manager des Environment Research Centre von Daikin und Präsident der European Heat Pump Association (EHPA), spricht über die Strategie von Daikin und die sich wandelnden Märkte für Kältetechnik und Wärmepumpen.
Refrigeration Industry (Ri): Könnten Sie die wichtigsten Regionen und Sektoren erläutern, in denen Daikin zuletzt expandiert hat, und die strategischen Überlegungen hinter diesen Schritten erklären?
Patrick Crombez (PC): Unsere Strategie besteht darin, ein wirklich globales Geschäft mit einer ausgewogenen Präsenz in verschiedenen Regionen aufzubauen. Dieser Ansatz verschafft uns stabile Geschäftsaussichten, da sich die Marktzyklen in Europa, Südostasien und den USA häufig voneinander unterscheiden. Darüber hinaus sind wir im gesamten Spektrum der HLK&R tätig, von der Heizung über die Kältetechnik bis zum Transport. Diese Vielfalt hilft uns, eine Abhängigkeit von Schwankungen in einem bestimmten Sektor oder einer bestimmten Region zu vermeiden.
(Ri): Welche Rolle spielt F&E in der Geschäftsstrategie von Daikin?
(PC): Daikin steht seit jeher an der Spitze der Entwicklung. Wir begannen bereits in den 1950er-Jahren in Japan mit Wärmepumpen, und Innovation war stets eine Konstante bei den Meilensteinen unseres Unternehmens. Dieses Engagement besteht bis heute fort. Vor Kurzem haben wir das CO₂ Variable Refrigerant Volume (VRV) auf den Markt gebracht, dessen Entwicklung wir erstmals vor 20 Jahren versuchten, als der Markt noch nicht bereit dafür war. Inzwischen ist die Technologie ausgereifter und wirtschaftlich tragfähig, und der Markt ist bereit, die bei solchen Systemen erforderlichen Kompromisse zu akzeptieren.
Vor Kurzem sind wir in ein neues, von Grund auf errichtetes F&E-Zentrum im belgischen Gent umgezogen, durch das sich unsere Testkapazität verdreifacht. Dieser neue Campus ist ein Gemeinschaftsprojekt mit der Universität Gent und ermöglicht uns eine enge Zusammenarbeit mit Doktoranden und Wissenschaftlern aus den Bereichen Elektromechanik und IT, den Kerndisziplinen unserer Branche.
(Ri): Gibt es derzeit besonders innovative F&E-Projekte, auf die Sie sich freuen?
(PC): Der größte Teil unserer Produktentwicklung in Europa dreht sich um die Umstellung der Kältemittel. Wir vertreten die Auffassung, dass unterschiedliche Anwendungen unterschiedliche Arten von Kältemitteln erfordern, weshalb wir weiterhin verschiedene Lösungen entwickeln werden. In den meisten Sektoren werden wir neben chemischen Varianten auch nicht fluorierte Optionen anbieten, da Anwendungen in Europa unterschiedliche Lösungen erfordern, insbesondere um Wärmepumpen schnell genug einzuführen, damit die Klimaziele erreicht werden können.
Der Übergang zu nicht fluorierten Gasen führt überwiegend zur Verwendung von A3-Kältemitteln, die umfangreiche Entwicklungsarbeit erfordern, um über die gesamte Lebensdauer des Produkts hinweg ein sicheres Produkt zu gewährleisten.
(Ri): Wie begegnet Daikin mit seinen unternehmerischen Verpflichtungen den globalen ökologischen Herausforderungen?
(PC): Weltweit verfolgen wir für die verschiedenen Regionen unterschiedliche Ziele. In Europa haben wir vollständig auf Geräte mit Invertertechnik umgestellt und konzentrieren uns nun als vorrangiges Ziel auf den Wechsel von Verbrennungssystemen zu Wärmepumpen sowie auf die Umstellung auf Kältemittel mit niedrigem GWP.
Allerdings bestehen in vielen Ländern weiterhin Installationsbeschränkungen, die Menschen daran hindern würden, auf Wärmepumpen umzusteigen, die hochentzündliche A3-Kältemittel wie R290 verwenden. In diesen Fällen würden wir lieber eine R32-Wärmepumpe verkaufen, als dass ein mit fossilen Brennstoffen betriebener Heizkessel installiert wird.
Bei diesen Umstellungen berücksichtigen wir stets die Effizienz, da die Effizienz eines Geräts über seine gesamte Lebensdauer wesentlich größere Auswirkungen hat als das Emissionspotenzial des Kältemittels. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Schulung. Dabei geht es darum, den Menschen eine sorgfältige Geräteauswahl zu vermitteln und die Überdimensionierung von Geräten zu vermeiden, was bei Wärmepumpen entscheidend ist. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung von Regelungen, um Systeme benutzerfreundlicher, intuitiver und mit verschiedenen Netzen, Netzbetreibern und Systemen für erneuerbare Energien interoperabel zu machen.
(Ri): Was sind Ihrer Ansicht nach die größten Herausforderungen für Daikin auf dem Markt für umweltfreundliche Lösungen?
(PC): Die Herausforderung einer weltweiten Tätigkeit in allen Segmenten besteht darin, dass unser Portfolio riesig ist und einen enormen Pflegeaufwand erfordert. Im Gegensatz zu Nischenanbietern, die sich auf die Anpassung bestimmter Produkte konzentrieren können, müssen wir das gesamte Spektrum unserer umfangreichen Gerätepalette abdecken.
(Ri): Wie sieht die langfristige Vision von Daikin für Technologien mit natürlichen, nicht fluorierten Kältemitteln aus?
(PC): Die Kältetechnik ist bei der Umstellung auf diese Kältemittel führend, vor allem in Supermärkten und im Lebensmitteleinzelhandel. Viele andere Anwendungen wechseln zu Kältemitteln mit niedrigerem GWP, aufgrund der Kosten oder anderer Faktoren jedoch nicht unbedingt zu nicht fluorierten Optionen.
Wir möchten Lösungen für alle Kundentypen anbieten, was Flexibilität erfordert. Bei einigen Anwendungen, etwa in Supermärkten, werden CO₂ oder Propan rasch eingeführt, weil es kaum Gründe gibt, dies nicht zu tun. In anderen Sektoren, beispielsweise in der Transportkälte oder bei Split-Klimageräten, ist dies jedoch nicht unbedingt der Fall.
In Europa verwendet ungefähr die Hälfte unseres Kältetechnikportfolios nicht fluorierte und die andere Hälfte fluorierte Kältemittel, wobei ein klarer Trend zu mehr CO₂- und Propansystemen besteht. Im Klima- und Heizungsmarkt arbeitet der Großteil des Portfolios mit R32.
Die Tendenz zu nicht fluorierten Gasen ist in erster Linie europäisch. In anderen Regionen ist die nicht fluorierte Technologie nicht immer ebenso bekannt oder ohne Weiteres verfügbar. Selbst im Nahen Osten gilt R32 noch als neu, und dort besteht Unsicherheit darüber, ob es eingeführt oder weiterhin R410A verwendet werden soll.
(Ri): Welche bedeutenden Branchentrends erwarten Sie in den kommenden fünf bis zehn Jahren?
(PC): Wir beobachten eine Verlagerung vom alleinigen Fokus auf die Produkteffizienz hin zur umfassenden Simulation der Gebäudeleistung, die bei der Geräteauswahl und Gebäudeplanung zunehmend an Bedeutung gewinnt. Heute wird sowohl bei gewerblichen als auch bei privaten Anwendungen ein ganzheitlicherer Ansatz verfolgt.
Darüber hinaus wird die Simulation der Leistung in bestimmten Gebäuden wesentlich wichtiger als die bloße Prüfung des Energielabels einzelner Produkte. Die Branche entwickelt sich in Richtung dieses integrierten Systemansatzes.
(Ri): Welche wichtigen Trends bei Wärmepumpen beobachten Sie in Ihrer Funktion als EHPA-Präsident in Europa?
(PC): Das Wachstum des Wärmepumpensektors, das wir 2021-2022 verzeichneten, setzt sich nicht fort. 2023 kam es zu einem Rückgang und 2024 zu einem massiven Einbruch, wobei nichts darauf hindeutet, dass 2025 für Wärmepumpen im Wohngebäudebereich wesentlich besser ausfallen wird.
Eine positive Entwicklung ist neben Luft-Wasser-Systemen die Verlagerung hin zu Luft-Luft-Systemen, die kostengünstiger und potenziell effizienter sind. Dennoch entwickelt sich der Markt bei Weitem nicht schnell genug, um die Ziele der EU-Kommission von 30-40 Millionen wassergeführten Wärmepumpen bis 2030 zu erreichen. Dabei handelte es sich um die ursprünglichen Zielzahlen, die von der vorherigen Kommission in den Green-Deal-Paketen genannt wurden. In einigen Ländern ging die Zahl der Wärmepumpeninstallationen im vergangenen Jahr sogar zurück, während die Zahl der Heizkesselinstallationen zunahm.
Der Abschwung begann mit der Kontroverse um das deutsche Gebäudeenergiegesetz, die auf andere Länder übergriff. Das politische Klima wandte sich gegen Wärmepumpen, und Politiker zögerten, über sie zu sprechen, weil sie als Zwang für die Menschen wahrgenommen wurden, mehr Geld auszugeben.
Ein wesentliches Problem bleibt der Preisunterschied zwischen Gas und Strom. Gas ist in den meisten europäischen Ländern im Durchschnitt noch immer etwa viermal günstiger. Damit Wärmepumpen wirtschaftlich tragfähig sind, müsste das Verhältnis dagegen bei etwa 2 bis 2,5 liegen. Untersuchungen zeigen, dass Verbraucher in erster Linie berücksichtigen, ob sie monatlich mehr bezahlen müssen, und weniger die Kapitalrendite.
Das Vereinigte Königreich stellt mit einem kontinuierlichen Marktwachstum eine positive Ausnahme dar. Die von der vorherigen konservativen Regierung eingeführten Programme wurden von der Labour-Regierung beibehalten. Dies schafft Stabilität, die eine natürliche Entwicklung des Marktes ermöglicht, wobei Installationsunternehmen in Schulungen investieren und neue Unternehmen in den Markt eintreten.
(Ri) Wie beurteilen Sie die Einführung natürlicher beziehungsweise nicht fluorierter Kältemittel in europäischen Wärmepumpen, und warum unterscheidet sich der Markt von Land zu Land?
(PC): Deutschland ist der einzige Markt mit einer signifikanten Verbreitung von Propangeräten. Dort besteht etwa die Hälfte des Marktes aus Propan-Monoblockgeräten. In Deutschland entfallen 90 % auf Monoblockgeräte, und Schätzungen zufolge verwendet mehr als die Hälfte davon Propan.
Der deutsche Markt unterscheidet sich, weil er von Monoblockgeräten deutscher Hersteller dominiert wird. In anderen Ländern gibt es andere Wettbewerber und mehr Split-Systeme. Derzeit sind keine Luft-Wasser-Splitgeräte mit Propan auf dem Markt, und ich erwarte auch in absehbarer Zeit keine.
Interessanterweise geht der Trend selbst in Deutschland bei Unternehmen, die auf Wärmepumpeninstallationen spezialisiert sind, zu Split-Systemen, weil sie sich einfacher und schneller sowie mit weniger potenziellen Fehlern installieren lassen. Während also einige prognostizierten, dass sich alles in Richtung Propan-Monoblockgeräte entwickeln würde, geschieht genau das nicht.
(Ri): Was würde die Einführung von Wärmepumpen im Nachrüstungsmarkt beschleunigen?
(PC): Im Neubau sind Wärmepumpen in Europa weithin als zukunftsweisende Lösung anerkannt und werden in den meisten Ländern in 65-70 % der Neubauten eingesetzt. Der Nachrüstungsmarkt entwickelt sich jedoch nicht wie geplant.
Darüber hinaus beabsichtigte Europa, die Gebäudesanierungsquote von etwa 1,5 % auf 3-3,5 % zu erhöhen, tatsächlich verlangsamt sie sich jedoch.
Wir müssen zwischen Marktsegmenten unterscheiden, die sich die Umstellung leisten können, und solchen, die Unterstützung benötigen. In einigen Ländern wie Frankreich und Belgien gibt es Vorschriften, die beim Verkauf einer Immobilie energetische Modernisierungen verlangen. Dies senkt entweder die Immobilienpreise, um die erforderlichen Arbeiten zu berücksichtigen, oder schafft Anreize für Eigentümer, vor dem Verkauf zu investieren.
In den Niederlanden stellen große Pensionsfonds, die über umfangreiche Mietwohnungsbestände verfügen, auf Wärmepumpen um, weil sich dies wirtschaftlich rechnet. Der Wert ihrer Immobilien steigt, und die Mieter zahlen aufgrund eines günstigen Strom-Gas-Preisverhältnisses von etwa 2,5 weniger für Energie.
Für Marktsegmente, die sich diese Modernisierungen nicht leisten können, sollte das überarbeitete EU-Emissionshandelssystem (ETS 2) einen Sozialfonds zu ihrer Unterstützung schaffen. Die Lösung erfordert, diese verschiedenen Schritte mit gezielten Anreizen für unterschiedliche Marktsegmente zu verfolgen, anstatt flächendeckend allgemeine Anreize zu gewähren.
(Ri): Vielen Dank für das Interview und dafür, dass Sie diese wertvollen Erkenntnisse mit uns geteilt haben.








